Der Abschied von San Cristóbal hin zur Hauptinsel Santa Cruz fiel uns schwer. Die Erlebnisse und Eindrücke auf dieser Insel waren wunderschön und voller Überraschungen – wie zum Beispiel die riesige Delfinherde, die wir etwa 100 Meter vom Strand entfernt beobachten konnten.


Zu viele Veränderungen
In Puerto Ayora, dem Zentrum der Galápagosinseln, erwartete uns jedoch eine ganz andere Realität. Es fühlte sich an, als wäre ich aus einem schönen Traum aufgewacht.
Aus dem beschaulichen Küstenstädtchen ist eine richtige Stadt geworden – man würde kaum ahnen, dass man sich im Zentrum eines Nationalparks befindet. Auch die Preise sind enorm gestiegen: Für Essen, Dienstleistungen und Exkursionen haben sie sich innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt.
Gleichzeitig finde ich es erschreckend, wie der Mensch immer mehr Raum einnimmt und die Tiere zunehmend verdrängt werden. In Puerto Ayora sind im Vergleich zu früher nur noch wenige Tiere anzutreffen. 
Ob das wirklich dem ursprünglichen Gedanken eines Nationalparks entspricht?

Hammerhai


Haie im Hafen
Was mich hingegen besonders gefreut hat: Im Vergleich zu früher sieht man deutlich mehr Haie. Die Gewässer im Galápagos-Nationalpark sind ein echtes Hai-Mekka. 33 verschiedene Haiarten sind hier zu Hause – von Walhaien über Tigerhaie bis hin zu kleinen Riffhaien.
Trotzdem gab es bislang keine nennenswerten Zwischenfälle mit Menschen. Die Gründe dafür sind einfach: Die Haie finden auf Galápagos mehr als genug Nahrung. Zudem sind die Tauch- und Schnorchelplätze klar geregelt – und dort, wo Menschen ins Wasser dürfen, halten sich keine für Menschen gefährlichen Haie auf. Auch die Hammerhaie, die man hier als Taucher oder mit etwas Glück sogar als Schnorchler in grossen Schwärmen beobachten kann, gelten als harmlos.
Wer trotzdem Respekt vor Haien hat, muss nicht einmal ins Wasser steigen: Junge Haie lassen sich auch vom Trockenen aus beobachten. Einige Strände sind regelrechte Kinderstuben. Und im Hafen von Puerto Ayora kann man vom Steg aus – neben Schildkröten und Rochen – morgens und abends zahlreiche junge Haie entdecken.

Galapagos-Hai


Ein Fischer mit blauen Füssen
Jede Hai-Begegnung war für unsere Familie ein echtes „Hailight“. Doch auch die Begegnungen mit den Vögeln bleiben unvergesslich.
Besonders viele konnten wir bei einer Kajaktour auf Isabela, der dritten Insel unserer Reise, beobachten. Dazu gehören Pelikane mit ihren riesigen Schnäbeln, in denen bis zu zehn Liter Wasser (und viele Fische) Platz haben. Oder die Fregattvögel – die Piraten der Meere, deren Männchen zur Balz einen leuchtend roten Kehlsack wie einen Ballon aufblasen.
Meine persönlichen Lieblinge sind jedoch die Blaufusstölpel. Wie der Name schon sagt, haben sie leuchtend blaue Füsse. Wie Pfeile stürzen sie ins Wasser, um Fische zu fangen. Mehr als einmal sind wir beim lauten „Platsch“ erschrocken, als wir gerade am Schnorcheln waren und sie direkt neben uns ins Wasser tauchten.
Nicht zu vergessen ist der Galápagospinguin, der zweitkleinste Pinguin der Welt – und der einzige, der am oder sogar nördlich des Äquators lebt. Leider gibt es nur noch etwa 2000 von ihnen. Mit ihnen zu schwimmen und zu schnorcheln war etwas ganz Besonderes.

Blaufuss-Tölpel


Ein Unterwasser-Ballett zum Abschluss
Den wohl eindrücklichsten Moment erlebten wir kurz vor Schluss unserer Reise: völlig unerwartet trafen wir unter Wasser auf einen riesigen Schwarm von etwa 60 Goldrochen. Wie in einer Ballettaufführung bewegten sie sich synchron um uns herum – geschmeidig, elegant und perfekt, als hätten sie diese Choreografie einstudiert.

Goldrochen


Nach so einer „Aufführung“ ist man versucht zu sagen: „Das Beste zum Schluss.“ Doch das wäre nicht ganz richtig. Jeder Tag auf Galápagos war besonders – jedes Tier, jede Begegnung löste Faszination und Staunen aus. Auch die riesigen, menschenleeren Strände oder die Vulkanlandschaften mit ihren kantigen Lavasteinen, Lavatunneln und erkalteten Lavaströmen hatten ihren eigenen Zauber. Es gab immer etwas zu entdecken.
Es ist gut möglich, dass wir schon in einem Jahr wieder hinfliegen – für mich wäre es dann bereits das fünfte Mal. Und da es inzwischen direkte Flüge ab Cuenca gibt und wir uns die abenteuerliche Busfahrt nach Guayaquil sparen können (siehe Teil 1), wäre das ein zusätzliches Argument.
Eigentlich reisen wir nie zweimal an denselben Ort. Dass wir eine weitere Galápagosreise in Betracht ziehen, sagt alles.
Liebe Schildkröten, Hammerhaie, Pinguine und all die anderen: Ich weiss nicht, ob ihr euch freut, uns wiederzusehen.

Wir würden uns jedenfalls riesig freuen.
 Hoffentlich bis bald.

Silvan Meier, 18. April 2026

PS: Danke an Anjuli und Eva, die mir mit einigen Fotos ausgeholfen haben


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