Dass wir auf den Galápagos angekommen sind, haben wir auch beim ersten Einkauf im Supermarkt gemerkt: Die Auswahl ist eher bescheiden – die Preise dafür etwa doppelt so hoch wie auf dem Festland in Cuenca. Das ist natürlich nachvollziehbar: Die meisten Produkte müssen mit Schiffen über 1000 Kilometer durch den Pazifik auf die Inseln transportiert werden.
Was für mich aber weniger verständlich ist, sind die Preise für Exkursionen. Ein Tauchausflug mit zwei Tauchgängen kostete vor 15 Jahren noch rund 120 USD – heute ist es mehr als doppelt so viel. Oder eine Bootstour mit Schnorcheln rund um San Cristóbal: 190 USD pro Person, Kinder grosszügigerweise nur 180 USD. Für uns als vierköpfige Familie liegt das schlicht nicht im Budget.
Begründet wird das oft damit, dass man den Tourismus begrenzen und die Natur schützen möchte. Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich noch nie so viele Touristen auf Galápagos gesehen habe wie dieses Mal. Zudem ist Galápagos längst zu einer Marke geworden – viele wissen, dass diese Inseln etwas ganz Besonderes sind und sind entsprechend bereit, hohe Preise zu bezahlen. Nach dem Motto: „Wenn wir schon mal hier sind, dann gönnen wir uns das.“ Dass dies von Tourenanbietern ziemlich ausgenutzt wird, lässt sich schwer übersehen. Zwar heisst es, das Geld fliesse in den Schutz des Nationalparks. Nach Gesprächen mit Einheimischen, die einen tieferen Einblick haben, bin ich da allerdings etwas skeptisch.

Fast keine Idioten
Doch die hohen Preise haben auch einen Vorteil: Es gibt hier kaum Party- und Sauftourismus. Man findet wirklich Ruhe. Und die Strände sind – wie man es von einem Nationalpark erwarten darf – zu 100 % frei von Abfall.
Leider aber nicht frei von Idioten.
Es gibt tatsächlich Menschen – sogar Familien mit Kindern – die nichts Besseres zu tun haben, als die zutraulichen und an sich harmlosen Seelöwen zu provozieren. Besonders dämlich war ein Vater, der mit seiner etwa fünfjährigen Tochter auf dem Arm im Wasser einen Seelöwen so lange reizte, bis dieser beinahe zugebissen hätte.
Ich bin ein Menschenfreund und wünsche wirklich jedem nur das Beste. Aber diesem Mann hätte ich in diesem Moment gewünscht, dass ihn der Seelöwe in sein wertvollstes Körperteil beisst – als Lehre für die Zukunft, dass man wilde Tiere nicht provoziert. Das wäre für ihn in diesem Fall wohl wirklich das Beste gewesen.
Wenn ich solche Menschen sehe, bin ich ehrlich gesagt auch ein wenig stolz darauf, dass ich mein Buch „Ich will nicht, dass meine Kinder Idioten werden“ geschrieben habe. Ich hoffe, dass dadurch vielleicht die eine oder andere solche Situation in Zukunft verhindert werden kann.

Ein Seelöwe ruht sich in der Fussgängerzone auf einer Parkbank gemütlich aus. (Auf der Parkbank hinten, leider kaum sichtbar, liegt ebenfalls ein Seelöwe.)

Eine unangenehme Begegnung
Ich habe zwar keinen Seelöwen provoziert – aber trotzdem einen Schockmoment erlebt. Als ich alleine im Meer schnorchelte, kam plötzlich ein grosser Seelöwe direkt auf mich zugeschwommen. Von früher weiss ich, dass diese Tiere meist neugierig sind und spielen wollen – ausser es handelt sich um ausgewachsene Männchen. Und genau so eines war das.
Mir kam sofort der typische Satz von Hundebesitzern in den Sinn: „Er will doch nur spielen!“ Nur dass dieser „Hund“ etwa zwei Meter gross war – und ich alleine im Wasser.
Ich war ehrlich erleichtert, als er im letzten Moment direkt neben mir abtauchte und sich einen anderen Ort zum „Spielen“ suchte. Da sind mir die riesigen Meeresschildkröten, denen man beim Schnorcheln ebenfalls häufig begegnet, deutlich lieber.

Diese unangenehme Begegnung wurde zufälligerweise vom Land aus festgehalten

Von Kuhherden und Käse
Auch an Land trifft man immer wieder auf Seelöwen. Ob im Stadtpark, vor Hauseingängen oder abends mitten auf der Strasse – sie gehören einfach dazu. Während wir in Cuenca unsere Kinder mit „Schau, da kommt ein Auto!“ warnen, heisst es hier eher: „Schau, wo du hintrittst – da liegt ein Seelöwe!“
Etwas unerwarteter war die Kuhherde, die uns im Hinterland von San Cristóbal den Weg versperrte. Sie sahen unseren Schweizer Kühen erstaunlich ähnlich. Und als wir später frische Milch und Galápagos-Käse gekauft haben, kamen fast schon Heimatgefühle auf.
Denn entgegen vieler Erwartungen gibt es auf den Galápagosinseln durchaus Landwirtschaft. Früher wurde vor allem Zuckerrohr angebaut, heute eher Kaffee oder Bananen. Dennoch gelten strikte Regeln, wo was angebaut werden darf und welche Tiere zugelassen sind. Auch darf man sich ohne Guide nur an wenigen klar markierten Orten frei bewegen. Der Schutz der Natur hat hier oberste Priorität – zumindest wird es so kommuniziert.

Ein Seelöwe geht abends in den Strassen spazieren

Eine unerwartete Mitfahrgelegenheit
San Cristóbal ist eine der ältesten Inseln der Galápagos. Obwohl sie nur spärlich besiedelt ist, verfügt sie über einen kleinen Flughafen – pro Tag dürfen lediglich zwei Flugzeuge landen. Die Hauptstadt heisst Puerto Baquerizo Moreno. Insgesamt leben rund 8’500 Menschen auf der Insel, etwa 8’000 davon in der Hauptstadt.
Alles wirkt ein wenig wie ein Dorf, in dem jeder jeden kennt. Und manchmal läuft es auch genau so: Als wir eines Abends von einem abgelegenen Strand zurück wollten, gab es kein Taxi mehr – nur ein Polizeiauto. Spontan hat Vero gefragt, ob sie uns mitnehmen könnten. Und tatsächlich: Sie haben uns in die Stadt gefahren – zur grossen Freude unserer Kinder.

Die Hauptstadt – ober besser gesagt: Das Hauptdorf

San Cristóbal war für uns ein echtes Highlight. Die vielen Tiere, die Vulkanlandschaft mit dem Kratersee, die ruhigen Buchten zum Schnorcheln oder die wilde Küste mit den meterhohen Wellen (die übrigens auch ein Hotspot für Surfer sind) – uns hat es gefallen! Ob die nächste Insel, Santa Cruz, wohl ebenso überzeugen wird? Bald wirst du es erfahren. Bleib dran 😉

Ein Galapagos-Surfer

Der Krater(see) eines erloschenen Vulkans auf San Cristóbal

Ein Blick ins unberührte Landesinnere der Vulkan-Insel

Neben einer wilden Küstenlandschaft gibt es auch ruhige Buchten zum Schnorcheln


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