Wir sind bereits bei Artikel 25. Da dies eine schöne Zahl ist und sich das Jahr langsam dem Ende neigt, ist es Zeit für einen kurzen Rückblick auf die letzten 24 Artikel – oder auf das letzte halbe Jahr in Ecuador.
 Vielleicht hast du dich gefragt: 
„Wie ging es weiter mit den Hühnern?“
 Oder: „Hat Silvan nun endlich einen passenden Frisör gefunden?“ 
Oder auch: „Nutzt Silvan den aussergewöhnlichen Ratschlag des Taxifahrers, um 130 Jahre alt zu werden?“
Hier findest du hoffentlich die Antworten auf die wichtigsten Fragen. Und weil es einiges zu erzählen gibt, ist dieser Artikel etwas länger als sonst.

Ein Rückblick – und ein Danke
Doch zuerst noch das: Bei einem Rückblick wie diesem ist es höchste Zeit, einmal Danke zu sagen. Danke, dass du meinen Blog liest. Es macht mich glücklich und stolz, wenn er dir gefällt. Und ich freue mich sehr, wenn du ihn abonnierst oder weiterempfiehlst (ja, weiterleiten und weiterempfehlen ist ausdrücklich erlaubt).
Besonders freut es mich, wenn ich höre, dass auch Eltern von Freundinnen und Freunden oder Arbeitskollegen diesen Blog lesen. Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt – und ein lieber Gruss an alle Mamas und Papas von Freundinnen und Freunden in Deutschland, Österreich oder der Schweiz: Danke, Merci vielmol und Servus.
 Gracias a todos mis amigos de Ecuador. Und natürlich auch ein Khop Khun Krap nach Thailand. Ich vermisse euch – wirklich.

…und ein kleiner Ausblick
Es freut mich sehr, wenn du mich und meine Familie auch im nächsten Jahr begleitest. Vor allem der Februar wird ein besonderer Monat: Dann wird Familie Meier ab und zu am Bildschirm zu sehen sein (mehr Infos folgen), und das erste Buch des „Autors aus Ecuador“ (ja, damit bin ich gemeint) erscheint im Online-Handel. Allerdings nicht zum Thema Reisen, sondern zum Thema Erziehung – auch wenn das Reisen dabei immer wieder eine Rolle spielen wird. Dazu mehr in einem Artikel, der am 2. Januar 26 erscheint.


Nun aber zurück zur Ausgangsfrage: Wie ging es weiter mit den einzelnen Geschichten?

Nr. 5 und 10: Plötzlich waren Hühner da
Inzwischen haben uns alle unsere geliebten Hühner „auf natürliche Weise“ verlassen. Einen dritten Teil wird es also nicht geben. Vergessen sind sie aber noch lange nicht. Noch heute besuchen die Jungs fast jedes Mal das Grab, wenn wir dort vorbeilaufen. Und selbstverständlich werden die Hühner weiterhin ins Nachtgebet eingeschlossen.
Für Jimmy und Jamiro gilt beim Chicken-Essen nach wie vor Nulltoleranz: Restaurants, die Huhn anbieten, gelten als Feinde und werden konsequent boykottiert. Ob sie diese Sturheit von mir oder von einem anderen Elternteil haben, dürft ihr gerne selbst entscheiden.

Nr. 7: Ein etwas anderer Friseurbesuch
Mit meiner speziellen Friseur-Erfahrung war ich nicht allein. Mehrere Freunde erzählten mir, dass sie Ähnliches erlebt hätten – meist allerdings mit etwas weniger Whiskey.
Inzwischen habe ich gelernt: Friseursalons sind hier wirklich auch soziale Treffpunkte. Als ich nach diesem Erlebnis wieder zum Coiffeur ging, war ich entsprechend vorsichtig: am Nachmittag statt am Abend, und bewusst bei einer älteren, freundlichen Dame. Irritiert war ich dennoch, als ich in einer Ecke des gepflegten Salons einen Kühlschrank entdeckte – randvoll mit Bier. Fast wäre ich wieder gegangen.
Bei einem späteren Besuch fragte mich eine andere ältere Dame kurz vor Schluss:
 „Mit Alkohol?“ 
Ich zuckte zusammen. Sie bemerkte es sofort und erklärte lachend: „Zum Desinfizieren nach dem Rasieren – nicht zum Trinken.“ Ich habe selten so erleichtert aufgeatmet.
Inzwischen habe ich „meinen“ Frisör gefunden. Er schaut zwar während des Haareschneidens mit einem Auge Fussball, doch das hat – wie ich nach dem zweiten Besuch herausgefunden habe – einen guten Grund: Er ist der offizielle Frisör von Deportivo Cuenca, dem bekanntesten Fussballclub der Stadt. Und ganz ehrlich: Ein lautes „Toooooor!“ Beim Frisör ist mir inzwischen deutlich lieber als jedes „Prost!“.

Nr. 12: König Fussball in Ecuador
Wir waren wieder im Stadion – diesmal mit etwas besseren Plätzen. Das hat sich gleich dreifach gelohnt: Wir waren unter Dach, hatten freie Sicht auf das Spielfeld und – am wichtigsten – ich durfte meinen Gurt anbehalten und habe meine Hose nicht verloren.
Bewahrheitet hat sich auch meine Prognose: Der ecuadorianische Fussballmeister 2025 heisst Independiente del Valle Quito. Deportivo Cuenca, also der Verein meines Frisörs, dümpelt weiterhin im Mittelfeld der Tabelle. Bleibt nur noch zu hoffen, dass „mein“ FCSG Schweizer Meister wird – auch wenn sie nach wie vor keine Heimspiele auf dem Säntis austragen.

Nr. 16: Von Leichen am Strassenrand und Selbstjustiz
Trotz funktionierender Selbstjustiz nimmt die Kriminalität leider zu. Wer nichts mit illegalen Geschäften zu tun hat, wird in der Regel kein Opfer – dennoch ist manches erschreckend. Vor wenigen Tagen wurde ein bekannter Fussballer, ein ehemaliger Nationalspieler, in Guayaquil auf offener Strasse erschossen.
Etwa zwei Stunden von Cuenca entfernt liegt Cañar, eine Kleinstadt in den Bergen. Ein Bewohner erklärte mir, warum Kriminalität dort kaum eine Chance habe:
„Wir sind in einer WhatsApp-Gruppe vernetzt. Wenn etwas passiert, geht sofort der Alarm los, und wir helfen einander. Diebe werden bei uns mit kaltem Wasser abgespritzt und mit Brennnesseln eingerieben. Die kommen nie wieder.“
Ob das auch bei schwereren Verbrechen abschreckend wirkt, bleibt offen.

Nr. 17: Wie wird man 130 Jahre alt?
Das Thema mit den zwei Frauen habe ich zu Hause nie direkt angesprochen – um unnötige Probleme zu vermeiden. Stattdessen habe ich mich entschieden, lieber nur 80 oder 90 Jahre alt zu werden, dafür aber den Familienfrieden zu wahren. Und kein zweites Schuhregal kaufen zu müssen.

Nr. 18: Achtung Erdbeben
Weitere Erdbeben gab es keine. Dafür ein anderes Erlebnis: Ich stieg einmal in einen Bus ein und vergass – wirklich versehentlich – zu zahlen. Der Chauffeur bemerkte das, verliess an der nächsten Haltestelle wutentbrannt seinen Sitz und wies mich so laut und deutlich auf meinen Fehler hin, wie das halt eben nur Buschauffeure in Cuenca können. Der ganze Bus begann zu vibrieren. Ich bleibe dabei: Buschauffeure in Cuenca sind gefährlicher als Erdbeben.
Seither gilt für mich: Der beste Schutz vor Erschütterungen ist, im Bus immer korrekt zu bezahlen.

Nr. 19: Scheissjobs
Cuenca hat ein Problem mit Hundekot – auf der Strasse, in Parks, überall. Den wohl grössten Scheissjob habe ich kürzlich kennengelernt: Zwei Männer, die täglich die Parks von Hundeexkrementen befreien.
Doch auch für sie gilt, was für viele andere Menschen in Ecuador gilt: Sie sind dankbar, Arbeit zu haben. Lieber einen (Hunde-)Scheissjob als gar keinen Job.

Nr. 22: Meerschweinchen auf dem Teller
Noch nie habe ich auf einen Artikel so viele Reaktionen erhalten wie auf diesen. Die meisten lauteten: „Wie kann man das nur tun?“ oder schlicht: „Sicher nicht!“ Mehrfach erhielt ich Fotos von Meerschweinchen – mit dem Hinweis, dass sie niemals gegessen würden.
Nur eine Kollegin aus Ecuador meinte nüchtern:
„Es ist spannend, wie Europäer unsere Kultur wahrnehmen.“

Nr. 23: Der Nikolaus in Ecuador
Die Frage, ob Papa der Nikolaus war oder nicht, beschäftigt Jamiro weiterhin. Kürzlich sagte er:
„Papa, jetzt weiss ich es: Der Nikolaus ist nicht echt – der ist nur AI.“
Nun stellt sich für mich die Frage: Soll ich ihm zuerst erklären, ob der Nikolaus existiert oder nicht – oder ihn besser zuerst über künstliche Intelligenz aufklären? (Oder noch besser: gleich ChatGPT fragen, wie ich vorgehen soll?)

Nr. 24: Mythos Cajas-Nationalpark
In der Zwischenzeit war ich nicht mehr dort – und habe entsprechend auch (noch) keine UFOs mit einigen Augen gesehen. Ich habe mir jedoch fest vorgenommen, diese „übernatürlichen“ Bauten, diese sogenannten Kraftorte, bald zu besuchen. Aus Neugier – und weil es bestimmt eine schöne Wanderung wird.
Vielleicht sehe ich dort ja doch noch diese unerklärlichen Lichtphänomene. Oder ich komme gar mit einer Erleuchtung zurück?
 Am wahrscheinlichsten komme ich allerdings mit einem leuchtenden Kopf zurück – nicht wegen UFOs, nicht wegen der Erleuchtung, sondern weil ich mir (wie beim letzten Mal, trotz viel Sonnencreme) auf 4000 Metern wieder einen kräftigen Sonnenbrand geholt habe.

Mein Fazit
Wenn ich mir diese 24 Geschichten anschaue, wird mir bewusst, wie intensiv, lehrreich und manchmal absurd dieses erste halbe Jahr in Ecuador war. Es war nicht immer einfach, oft anstrengend, aber fast immer spannend und abwechslungsreich. Nicht alles ist perfekt – aber vieles ist gut. Genau deshalb sind wir nach wie vor überzeugt, dass wir das Richtige gemacht haben. Ich freue mich auf viele weitere spannende Erlebnisse und Geschichten im neuen Jahr in diesem wunderschönen Land.


Euch allen wünsche ich frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr mit bester Gesundheit.

Silvan Meier, 22.12.25


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