(Warnung: Im Anschluss an diesen Artikel gibt es auch ein paar – sagen wir mal: authentische Bilder vom Essen und vom Markt. Nur wer gute Nerven und einen starken Magen hat, soll bis ganz zum Schluss scrollen.)

Etwas will ich gleich vorwegnehmen: Ja, wir vermissen Thai Curry und Raclette. Und zwar sehr! Diese Menüs lassen sich auch nicht so einfach ersetzen.
 Dafür ernähren wir uns hier in Ecuador um ein Vielfaches gesünder als in der Schweiz oder in Thailand – und das ganz ohne großen Aufwand.
Zwar ist das Fleisch hier nicht so schön präsentiert wie in der Migros oder im Volg. Beim Marktbesuch gehören der Anblick von Schweinsköpfen, Rindermägen oder Hühnerfüßen eben genauso dazu wie in der Schweiz der Anblick der Zweifel-Chips im Supermarkt.
 Dafür kann man sicher sein: Fleisch, Gemüse und Obst sind frisch und von hervorragender Qualität.
In diesem Artikel möchte ich dir die ecuadorianische Küche etwas näherbringen – und sie dir, trotz gegrillter Schweinsköpfe und geschmorter Rinderdärme, ein bisschen schmackhaft machen.

Ein Land – drei Küchen
Zum Glück gibt es hier noch ganz viel anderes Essen als besagte Schweinsköpfe und Rinderdärme.
Neben den Galápagos-Inseln sind der Oriente (Dschungel), die Costa (Küste) und die Sierra (Hochland) die drei großen Regionen Ecuadors. Jede hat ihr eigenes Klima, ihre eigenen Produkte – und ihre eigene Küche.
Alle drei Regionen lassen sich problemlos an einem einzigen Tag bereisen:
 Am Morgen isst man an der Küste eine frische Ceviche mit Shrimps, Zwiebeln und Tomaten,
 zu Mittag im Hochland eine heiße Suppe mit Kartoffeln und Käse,
 und am Abend kann man im Dschungel die gegrillten Würmer der Chonta-Palme (Chontacuro) probieren – wenn man wirklich will.
Wer keine Lust auf diese fetten, madenähnlichen Würmer hat, findet garantiert auch gegrillten Piranha oder ein ordentliches Steak.
Dank der unglaublichen Vielfalt an Klimazonen – vom Meer über die Anden bis hinunter in den tropischen Dschungel – und dem nährstoffreichen, vulkanischen Boden wächst hier beinahe alles, was man sich vorstellen kann. Wie im Schlaraffenland – nur zubereiten muss man es selbst.
 Man kann buchstäblich irgendeinen Samen in die Erde stecken – und schon sprießt etwas.


Nur schade, dass das mit Geld nicht funktioniert.
 Oder vielleicht habe ich es einfach noch nicht am richtigen Ort eingepflanzt.

Eine Bananen-Republik im besten Sinne
Was es wirklich überall gibt, sind Bananen: große, kleine, grüne, rote, gelbe, gerade, krumme … Insgesamt wachsen hier rund 20 verschiedene Sorten. Etwa 25 % aller weltweit exportierten Bananen stammen aus Ecuador.

 Hier unterscheidet man genau zwischen „Banano“ (Süßbanane) und „Plátano“ (Kochbanane). Wer aus Versehen die falsche Sorte kauft, hat beim Frühstück schnell ein überraschendes Geschmackserlebnis.
Man kann sie braten, frittieren, trocknen, in Saucen und Desserts integrieren oder einfach roh essen. Als „Bolon de Verde“ zubereitete Kochbananen schmecken ähnlich wie Rösti.
 Bananen gehören hier zu fast jedem Menü – bestimmt würden sie sogar auch zu einem Käsefondue passen. Wenn es hier welches gäbe.

Hülsenfrüchte und Mais
Ein weiteres „Muss“ sind Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen oder Erbsen gehören in Ecuador zur Küche wie der Käse zur Schweiz.
 Auf dem Markt sieht man oft, wie Marktfrauen Bohnen oder Erbsen schälen – frischer geht es nicht.
Gleiches gilt für Mais: In Ecuador gibt es je nach Quelle zwischen 25 und 40 verschiedene Maissorten.
 Im Hochland essen wir vor allem Mote – das sind im Wasser gekochte, aufgequollene weiße Maiskörner.
 Für meinen Geschmack etwas fade, aber mit Ají, der typischen Baumtomaten-Chilisauce, durchaus genießbar.
 Vor allem, wenn noch ein paar Stücke Hornado dazukommen – womit wir schon wieder beim Schwein wären.

Meerschweinchen gehören dazu
Hornado ist mein persönliches Lieblingsessen: ein ganzes Schwein, lange in einer Gewürzmarinade eingelegt und dann zwölf Stunden im Ofen gebacken, bis die Kruste goldbraun und knusprig ist.
 Auf den Märkten werden vom zarten Fleisch einfach Stücke abgezupft und mit Mote, Kartoffeln – und natürlich Bananen – serviert.
Statt Schwein passt auch Meerschweinchen (Cuy) dazu.
 Die werden auf jedem Markt angeboten: lebendig, geschlachtet oder gebraten.
 Ich habe sie früher mehrfach probiert – kann nun aber getrost darauf verzichten.
 Sie schmecken wie zähes, trockenes Hühnchen. Warum sie so beliebt sind, werde ich wohl nie verstehen.
 Ich jedenfalls ziehe Schweizer Schokolade eindeutig dem Meerschweinchen vor.

Lieber wurmstichige Kartoffeln als geschmackloses Supermarktgemüse
Natürlich gäbe es viel mehr zu schreiben über Ecuadors Küche.
 Jedoch möchte ich noch erzählen, woher wir unser Essen beziehen:
Die Milch wird uns – frisch vom Bauern aus den Bergen – bis vor die Haustüre geliefert. Und das mitten in der Stadt.
 Auch Früchte und Gemüse gibt es vom Marktstand um die Ecke. 
Bei „unserer“ Marktfrau kann man auch abends um neun noch anrufen, wenn man mal dringend Avocados (oder Bananen) braucht – und sie bringt sie mit einem Lächeln vorbei.
Und sonst gibt es wirklich alles auf dem Markt: Gemüse, Früchte, Fleisch, Fisch, frischen Honig – oder Käse.
 Der ist für mich zwar recht geschmacklos, aber die Marktfrau ist so eine herzliche alte Dame, dass ich ihn einfach kaufen muss.
Vor allem, wenn sie mir stolz erzählt, dass sie ihn frisch und von Hand angefertigt hat.
Überhaupt liebe ich es, auf dem Markt einzukaufen:
 Die Früchte und das Gemüse kommen fast ausschließlich aus der Umgebung und werden von Bauernfamilien unter einfachsten Bedingungen, meist ohne Pestizide, kultiviert.
 Das hat zwar den Nachteil, dass es ab und zu eine wurmstichige Kartoffel oder einen kleinen Käfer auf dem Salat gibt. 
Dafür ist alles natürlich und ohne „Zusatzstoffe“ – und voll im Geschmack.
Das Gleiche gilt auch für Brokkoli, Gurken … und vor allem Karotten:
 Diese sind so lecker und süß, dass unsere Kinder teilweise über fünf davon essen – pro Tag.
 Der übliche Satz „Du kriegst erst Schokolade, wenn du das Gemüse gegessen hast“, ist bei uns also gar nicht nötig.

Die „Käsefrau“: Wer würde es übers Herz bringen, bei dieser Dame keinen Käse zu kaufen?

Kakao – das braune Gold des Landes
Apropos Schokolade: Wusstest du, dass Ecuador die Wiege des Kakaos ist?
 Hier wurde vor über 5.000 Jahren bereits Kakao angebaut – lange bevor die Maya oder Azteken ihn kannten.
 Im Amazonasgebiet Ecuadors fand man die ältesten Kakao-Reste der Welt.
Noch heute exportiert Ecuador unvergleichlich aromatische Kakaobohnen in die ganze Welt – aus denen, ganz nebenbei, auch Schweizer Schokolade hergestellt wird.


Das Einfachste wäre eigentlich, wenn Ecuador direkt Schoko-Bananen exportieren würde.

Ich frage mich, ob sie hier wohl schon selbst auf diese Idee gekommen sind …?!

Silvan Meier, 9. Oktober 2025

die nette Gemüsehändlerin bei uns um die Ecke

die Milch wird uns von den Bergen vor die Haustüre geliefert

Reiner Blütenhonig – frisch vom Markt

Meerschweinchen (Cuy)

Huhn mit (unfertigem) Ei – anscheinend sehr lecker. Aber sicher Geschmacksache 😉


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